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Die 7 fetten Jahre sind vorbei…

BSV bei Kultusminister Piazolo

Prof. Dr. Michael Piazolo (Kultusminister), Cäcilia Mischko (stellv. Vorsitzende BSV), Petra Seibert (1. Vorsitzende BSV), Robert Hackenberg (Geschäftsführer BSV)

„Die 7 fetten Jahre sind vorbei…

… die Steuereinnahmen in Bayern haben ihren Zenit überschritten und damit ihren Höchstwert verloren, aber lassen Sie den Mut nicht sinken!“

So verabschiedete Herr Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo uns von der Vorstandschaft am Freitag, 24. Mai 2019.

Nun, wir verlieren nicht ganz den Mut, denn dieser ist es, der uns immer wieder antreibt, uns auf den Weg zu Gesprächen mit den Spitzenpolitikern zu machen. Aber wir sind auch realistisch genug um konstatieren zu müssen, auch in den letzten sieben fetten Jahren war für uns Schulleitungen der Grund- und Mittelschulen nichts „drin“!
Dies wird sich für uns zum Schuljahr 2019/20 wohl leider auch nicht ändern.

Anhand der beiden Aufgabenfelder „Inklusion“ und „Ganztag“ zeigten Petra Seibert und Cäcilia Mischko und Robert Hackenberg auf, welche Mammutaufgaben die Schulleitungen seit Jahren mit großem Erfolg und ohne eine Stunde Anrechnung zu bewältigen haben.

Ohne diese Schulleitungen, die professionell Teamarbeit involvieren, Netzwerkarbeit steuern, Zeit aufreibende Elternarbeit leisten und schulhausinterne Fortbildungen organisieren, könne die Inklusion gar nicht gelingen. Dabei gehe das Spektrum vom Flüchtlingskind, Kindern mit Migrations- und Förderanteil, Kinder mit diagnostiziertem sonderpädagogischen Förderbedarf und Jugendlichen mit psychischen Behinderungen bis hin zum Hochbegabten. Dies alles müsse wie viele andere Aufgaben als Additum zu den anderen Aufgabenbereichen, die bildhaft gesprochen einen Rucksack ausmachen, der kaum mehr zu heben ist, geleistet werden. Zum Nulltarif, - eh klar!!!

Auch bei dem politisch gewollten Ganztag sei dies nicht anders.
Es könne nicht angehen, dass die Schulleitung gleichzeitig die VA – Stelle stundenmäßig füllen muss, weil hier die Stunden fehlen. Dies reiche von der Pflasterausgabe bis hin zum Telefonservice.
Petra Seibert betonte, dass es schäbig sei die Schulleitungen, die dies aus pädagogischer Umsicht tun, so massiv auszunutzen. Dies widerspreche ganz klar der Fürsorgepflicht des Staates.

Ein weiteres Thema im Gespräch mit dem Kultusminister war die Ankündigung des KM, ab dem Schuljahr 2020/21 bayernweit den Übertritt an die Wirtschaftsschule schon ab der 5. Jahrgangsstufe zu ermöglichen. Hierbei wurde vom BSV die Sorge geäußert, dieser Übertritt sei für die Mittelschule ein weiterer Schritt hin zur “Restschule”. An vielen Standorten wäre es dann nicht mehr möglich, den inzwischen gut etablierten M-Zug zu erhalten. Das heißt, die Mittelschule mit ihren gut funktionierenden berufsorientierenden Zweigen ist dann nicht mehr in der Lage, lernwilligen und leistungsstarken Schülern eine Perspektive zu bieten.

Als Beispiele wurden vom BSV die Stadt Passau oder Memmingen genannt, in denen dies in der Pilotphase mit erheblichen Schülerabgängen schon eingetreten ist. Kultusminister Piazolo räumte ein, dass dies in Regionen wie Memmingen oder Passau tatsächlich ein Problem sein kann. Insgesamt wurde jedoch rundum dementiert, dass die Wirtschaftsschule den Bestand der Mittelschulen negativ beeinflussen könne.

In einigen Jahren werden wir wissen, wieweit hier eine politische Entscheidung in den Bestand der Mittelschulen, die schon jetzt ausgereizte Verbünde gebildet haben, gefährden oder nicht. Doch dann wird es zu spät sein.

Petra Seibert, BSV