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Landesdelegierten-Versammlung 2004

Sonntag, 03 Februar 2008

Landesdelegierten-Versammlung 2004 am 12. November im historischen alten Rathaussaal in Nürnberg

 

Antrittsrede der Vorsitzenden:

Sehr geehrter Herr Staatssekretär, sehr geehrter Herr Freller, sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,liebe Freunde !

Lassen Sie mich mit einem Dank beginnen:

Dank an Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär für Ihr Kommen und die detaillierte Darstellung der Situation unseres Berufsstandes, seiner Probleme, vor allem seiner völlig unzureichenden Arbeitsbedingungen. 

Es tut gut, zu hören, dass unsere Sorgen und Nöte erkannt werden!

Ich verhehle aber nicht meine Enttäuschung, dass die durch die Schulverwaltungsreform zu erwartenden Veränderungen an den Bedürfnissen und Notwendigkeiten zugunsten der Schulqualität vorbeigehen! Sie reichen nicht aus und sie berücksichtigen auch nicht in ausreichendem Maße die Schulleitungen. Dazu später mehr.

Danken möchte ich  auch den Delegierten des BSV für dieses fast sozialistische Wahlergebnis.

Ich werde mich mit ganzer Kraft bemühen, die, die mich heute Morgen gewählt haben, nicht zu enttäuschen.

Ich werde gleichzeitig versuchen, in den nächsten drei Jahren auch die zu überzeugen, die mir heute ihre Stimme nicht geben konnten. Ich respektiere das selbstverständlich.

Drei arbeitsintensive Jahre liegen hinter uns und es ist mir ein Bedürfnis, mich an dieser Stelle bereits bei Siegfried Wohlmann, Werner Sprick, Horst Anhofer, Inge Pfaffinger in Abwesenheit und Hannelore Mathis, Roland Hoyer, Dr. Renate Menges und Elisabeth Spörer als neue bzw. kooptierte Vorstandsmitglieder sowie Herrn Dr. Peter Chott als IPFF-Vorsitzenden für die gute Kooperation im Vorstand zu bedanken. Ohne eueren Einsatz für den Verband wäre vieles nicht möglich gewesen. Ich erinnere daran: Wir sind ehrenamtlich tätig und keine bezahlten Funktionäre.

Rückblick:

Wir haben gekämpft mit Nachdruck aber auch dem nötigen Fingerspitzengefühl. Wir haben mehrere Spitzengespräche geführt mit Staatministerin Hohlmeier, Staatssekretär Freller, mehreren Abgeordneten des Landtags und sicherlich für ein besseres Verständnis für die Situation von uns Schulleitern sorgen können.

Auch wenn wir heute vieles von dem noch nicht  erreicht haben, was wir uns – auch in Nürnberg – vor drei Jahren vorgenommen haben, so sind wir doch ein kleines Stück weitergekommen.

Ich gebe zu, es ist nicht der große Wurf, wenn ich an die zwei weiteren Stunden Leitungszeit und die Zuweisung von VA auch an Schulen ab 5 Klassen erinnere.  Doch wäre es nach der Finanzlage gegangen, hätten wir gar nichts erreicht, sondern eher noch draufgezahlt.

Auch andere Verbände müssen im Übrigen erleben, dass Volks- und Förderschulen in den letzten Jahren mit Verbesserungen nicht gerade verwöhnt wurden (z.B. Erhöhung auf 30 Pflichtstunden bei GS-Lehrern etc.!!!).

Doch kann ich behaupten, wir haben das Ansehen, das der BSV bereits unter Toni Stierstorfer und seinen Vorgängern gewonnen hat, nicht verspielt, nein, selbstbewusst sage ich, wir konnten es halten bzw. vergrößern. Wir werden einbezogen in die Überlegungen, ich sehe auch eine deutlich größere Aufgeschlossenheit für unsere Anliegen, die großen Entscheidungen lassen allerdings auf sich warten.

Gestatten Sie mir deshalb einen kritischen Blick auf die derzeitige Situation in der bayerischen Bildungspolitik:

Da wimmelt es nur so von Reformen (R 6, G 8, neue Lehrpläne in GS und HS, neue Fächer in GS und HS. Wenn ich nur an die neuen GS-Zeugnisse denke oder die hochdifferenzierte, mit Verlaub gesagt, teilweise nicht ganz nachvollziehbare Datenerfassung,  um nur einige wenige zu nennen). Alles Themen, die uns Schulleitern Mehrarbeit bringen. Nur scheint man gleichzeitig vergessen zu haben, dass wir auch Zeit brauchen, um diese Arbeit zu erledigen. Keiner der Verantwortlichen kommt anscheinend auf die Idee zu fragen:

Wann machen die denn das auch noch???

Hatten wir denn bisher nichts zu tun, dass wir das alles ohne die nötige Leitungszeit, ohne den letzten Wurf der dazugehörigen Befugnisse auch noch schultern können??

  • Ist es nicht etwas fragwürdig, dass man – und das zu Recht – Schulleitern an Gymnasien und Realschulen wesentlich leitungsangepasstere Bedingungen zugesteht, die man uns verweigert!! Rede ich mit Schulleitern anderer Schularten, ernte ich nur Kopfschütteln und mitleidige Blicke, wenn ich vom Ausmaß unserer Unterrichtsverpflichtung erzähle. Dazu kommt noch, dass das ja kaum jemandem bekannt ist, den es nicht hautnah betrifft!

  • Für alle, die es immer noch nicht wissen: Lehrer und damit auch Schulleiter an VS- und SVS haben die weitaus höchste Unterrichtsverpflichtung von allen Schularten.

  • Deshalb muss endlich Schluss sein damit, dass Schulleiter aus dem Topf der Lehrerstundenzuweisung finanziert werden. Das macht uns immer erpressbar, wenn wir eine ausreichende Leitungszeit fordern. Da heißt es sofort: Das sind ja so und so viele Lehrerplanstellen. Sie wollen doch nicht, dass die jungen Leute auf der Straße stehen!!

  • Wir haben einen eigenständigen Beruf, der wie jeder andere Beruf auch eigenständig ausgewiesen sein muss.

  • Es muss auch endlich aufhören, dass Schulleiterstellvertreter am Tropf der Anrechnungsstunden der Schuleiter hängen. Das schafft keine gute Kooperationsbasis. Auch Konrektoren haben einen eigenständigen Beruf mit eigenen Verantwortungsbereichen.

  • Ich frage mich und die verantwortlichen Politiker, die heute da sind:

    • Wann fängt man endlich an, für die anscheinend wieder in Abrahams Schoß zurück- verwiesene Verwaltungsreform da anzusetzen, wo der Schüler sitzt, nämlich in den Schulen vor Ort!?
    • Wann fragt man endlich nicht mehr: Wie viele und welche Ebenen werden gebraucht, sondern: Was erledigen die Schulen, die Schulleitungen bereits jetzt schon eigenständig? Was brauchen die Schulen vor Ort, um noch bessere Arbeit leisten zu können? Diese Reform darf nicht zu einer Ebenendiskussion verkommen, sondern muss pädagogisch vom Bedürfnis der Schüler aus diskutiert werden.
    • Ausgangspunkt der Fragen muss sein:
    • Welche Schulgröße ist die optimale?
    • Können durch Verwaltungsverbünde wohnortnahe Schulen erhalten bleiben, aber von Verwaltungsarbeiten entlastet werden?

Müssen nicht Schulleiter mit vergleichbaren Schulgrößen die gleichen Arbeitsbedingungen bekommen – unabhängig von der Schulart???

Wir haben seit Jahren  praxisorientierte und auf Erfahrungen basierende Vorschläge ausgearbeitet - ohne  die Erwartung eigener Vorteile. Es ging uns um die Umsetzung gewonnener Erfahrungen zum Wohle des Schülers!

Was ist los, sind unsere Konzepte plötzlich nichts mehr Wert - dann hätten wir gerne die Gründe gewusst  - oder geht es um ganz andere Interessen...?

Wir BSV-Schulleiter können mit Fug und Recht behaupten, dass das Anliegen unserer Politik nicht der Erhalt von Pfründen, sondern das Beheben von Missständen und überholten Strukturen ist.

Um Schule zu verbessern, reicht es aber nicht, uns einfach die Aufgaben zu übertragen. Schulleitung heute funktioniert doch nur, weil wir Schulleiter bis an den Rand unserer Kräfte und oft darüber hinaus für unsere Schule da sind.

  • Das haben wir eine Zeit lang akzeptiert - als Vorleistung auf kommende Entscheidungen.

  • So kann es aber nicht weitergehen. Nun ist es höchste Zeit, auch die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

  • Wir hofften auf eine Jahrhundert-Chance, die inzwischen gewachsene Aufbruchsstimmung unter den Schulleitern zu nutzen.

  • Wir sind innerhalb des BSV auf einem guten Weg, Schule neu zu denken, modernes Management in die Schulen zu bringen, Personalführung, Schulentwicklung und Schulqualität so zu gestalten, dass sie den Verhältnissen vor Ort angepasst und damit wirkungsvoll werden.

  • Doch wenn Aufbruchsstimmungen  keine Nahrung erhalten, ist die Lethargie vorprogrammiert, weil auch uns einmal die Kraft ausgeht.

    • Kann das im Sinne der Bildungschancen unserer Kinder sein?
    • Kann das die Politik verantworten??

Wie es scheint, ja, denn wir erleben leider: Man lässt uns weitgehend im Stich! Wir hören von Frau Guttenberger, dass für Schulen neue Kapazitäten geschaffen werden. Das freut uns, wir fragen allerdings auch: Was kommt davon bei uns Schulleitern an?

Das Unverständnis von uns Schulleitern für die derzeitige Bildungspolitik wächst.

Wir Schulleiter haben nicht mehr den Eindruck, dass es bei den derzeitigen Diskussionen auch nur annähernd um Inhalte, also neben den Einsparmaßnahmen - die wir ja mittragen -  auch um sinnvolle und zeitgemäße Gestaltung der Schule vor Ort geht. Da wird uns in Gesprächen beteuert, wie wichtig unsere Erfahrungen sind. Wir bringen sie seit Jahrzehnten ein. Wo aber bleiben die Konsequenzen?

Eine Ebenendiskussion ist verfehlt, wenn man nicht von denen ausgeht, um die es tatsächlich geht, nämlich um die Schüler!!

Wie ist denn in Zeiten leerer Kassen zu vermitteln, dass es immer noch Klassen mit ca. 16, 17 Schüler gibt, während anderswo Lehrer wie Schulleiter den Kindern in überfüllten Räumen mit allen nur denkbaren Problemen kaum mehr gerecht werden können? Wie kann  denn einem Schulleiter noch geholfen werden, der Klassenführung hat und seinen Alltag nicht mehr bewältigt, weil es schlicht und einfach nicht vereinbar ist, ein guter Lehrer mit 15 - 20 Unterrichtsstunden zu sein und ein guter Schulleiter dazu??

Könnten Sie, die Sie nicht Schulleiter sind, sich vorstellen, neben Ihrer Tätigkeit noch regelmäßige Unterrichtsverpflichtung zu haben?

Haben Sie, die Sie in den Entscheidungsprozess eingebunden sind, sich schon einmal die Mühe gemacht, die Vielzahl von gewachsenen Verwaltungsaufgaben eines Schulleiters genauer und in ihrem ganzen Ausmaß unter die Lupe zu nehmen? Dazu soll der Schulleiter dann noch vorbildlich, wie es sich für einen Chef gehört, seinen Unterricht, seine Klassenführung bewältigen!!??

Wer hat denn schon einmal gründlich hinterfragt, was es bedeutet, dass Schulleiter und Konrektoren bis heute nicht genügend ausgebildet bzw. vorbereitet werden auf ihre neue Aufgabe? - Learning by doing kostet alle Beteiligten viel zu viel Zeit, Kraft und damit Geld.

Wenn diese und ähnliche Fragen geklärt sind, dann und erst dann wäre es sinnvoll, über die Neugestaltung der nächst höheren Ebene nachzudenken.

Zuerst muss das Feuer gelöscht werden, dann kann man nachdenken, wie weitere Feuer vermieden werden können. Und inzwischen brennt es lichterloh an der Schulleiterfront!!

Bevor man über externe Evaluation redet, sollte man schon über die internen Bedingungen von Schule nachdenken und dafür sorgen, dass sie leidlich stimmen. Auf Evaluationen müssen Konsequenzen folgen! Wann soll denn der Schulleiter in seiner heutigen Situation Ziele vereinbaren, Entscheidungen treffen, Pläne erstellen, Maßnahmen ergreifen, Ergebnisse besprechen?

Ich behaupte, keiner, der nicht selbst drinsteckt, kann das Ausmaß der Probleme, den ständigen Spagat zwischen Unterricht und notwendiger Schulleiterpräsenz bzw. schnellem Schulleiterhandeln erahnen.

Wir werden also weiter argumentieren und kämpfen müssen, in der Hoffnung, irgendwann auf Einsicht zu stoßen.

 

Was der Politik und der Schulaufsicht aber wenigstens jetzt schon eine Sorge sein sollte, ist die Sorge um unseren Nachwuchs.

Womit und auch wann sollen wir denn bitte sehr in den sogenannten Mitarbeiter- und "Personalförderungsgesprächen“ junge Kollegen noch guten Gewissens motivieren, Schulleiterverantwortung zu übernehmen? Das können wir kaum mehr verantworten!

Wir verantworten dann aber auch nicht, wenn Schulleiterstellen nicht mehr adäquat besetzt werden können!

Oder wollen wir Hamburger Verhältnisse, wo sich Lehrer die Verantwortung teilen, wenn Schulleiterstellen nicht mehr besetzt werden können?

 

Viele Fragen sind noch offen, viel gibt es noch zu tun:

So sage ich  heute zu: Ich kämpfe weiter mit dem BSV für folgende Ziele, mit folgendem

Zukunftsprogramm:

Schulleiter und Schulleiterinnen sind der Schlüssel zum Erfolg. Sie sind Führungskräfte, die maßgebliche Verantwortung für den Erfolg von Bildungs- und Erziehungsprozessen an der Schule tragen.

 

  1. Wir werden deshalb weiterhin bei der inneren Schulreform entscheidend mitreden, wir wollen sie mitgestalten. Aus der Praxis – für die Praxis. Niemand weiß besser als wir, was machbar ist und was uns pädagogisch jenseits von pädagogischen Vorlieben Einzelner wirklich voranbringt.
    Niemand kennt die Situation der einzelnen Schule, die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums, die Besonderheiten eines Schulsprengels bzw. Ortes besser als wir.
    Wir wollen das Beste für unsere Schulen, weil wir das Beste für unsere Schüler wollen. Das ist unser Beruf und das bleibt bei aller Plackerei unsere Berufung.

  2. Dazu brauchen wir den vollen – ich betone vollen Dienstvorgesetztenstatus ohne wenn und aber. Fernsteuerung ist von gestern, aber nicht der Weg zur innovativen Schule im neuen Jahrhundert:
    Die Verantwortung für die Schule muss vollständig vor Ort liegen – natürlich im Rahmen vorgegebener Mindestanforderungen durch das Parlament und das KM.  Warum geht das bei anderen Schularten und bei uns soll es nicht möglich sein?
    Ein zentraler Teil ist in diesem Zusammenhang die Unterrichtsentwicklung.
    Die gezielte Stärkung der persönlichen und fachlichen Kompetenzen der Lehrer durchBestätigung, Beratung, Förderung undMotivation zur Fortbildung führt direkt zur Verbesserung der konkreten Unterrichtsarbeit. Unseren Schulleitungen kommt dabei eine zentrale Rolle zu:
    Nur vor Ort, an ca. 200 Schultagen im Jahr, werden doch die wirklichen pädagogischen Qualitäten, aber auch die Defizite unserer Lehrer spürbar und offenkundig.
    Nur vor Ort können diese vom Schulleiter erkannt und thematisiert werden – und nicht in gelegentlichen punktuellen Prüfungen durch Außenstehende. Das wird jeder bestätigen, der Schule von innen kennt.

    Unsere heutige Gesellschaft erwartet von der Schule, dass sie auf eine Vielzahl von individuellen Gegebenheiten Rücksicht nimmt und reagiert. Alles in möglichst gleicher Weise zu handhaben, in derHoffnung dadurch gleiche Ergebnisse zu erzielen, funktioniert heute nicht mehr.
    Es gibt deshalb keinen Königsweg für alle.
    Wir Schulleiter entwickeln längst Schulprogramme, die sich an der Situation der Einzelschule orientieren.
    Schulen sind längst gezwungen aber auch bereit und fähig, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.
    Im Alltag ist der Schulleiter längst der unmittelbare Verantwortliche für die Entwicklung und Förderung der Lehrkräfte seiner Schule.
    Er motiviert seine Mitarbeiter, spürt Fähigkeiten und Talente auf und bringt sie zur Entfaltung.
    Wir brauchen dazu aber Schulleitungen, die die Befugnisse haben, ihre Schule selbst zu organisieren.
    Nur dann können sie die kontinuierlichen Veränderungsprozesse, die auf Schulverbesserung abzielen, professionell begleiten.

  3. Zeit ist nicht alles.  Aber ohne ausreichende Leitungszeit wird aus der ganzen Qualitätsdiskussion nichts. Überlast hat ihre Grenzen. Und wenn die lautstarken Forderungen nach PISA keine Rohrkrepierer, sondern echte und ernstzunehmende Verbesserungen hervorbringen sollen, muss man den Schulleiter auch dazu ausstatten, das alles umzusetzen!
     


Jedoch die Arbeitsbedingungen, unter denen Schulleiter bis heute in hohem Maße ihre Pflicht erfüllen, passen längst nicht mehr zu der Verantwortung, die Schulleiter tragen und künftig noch mehr übernehmen müssen:

Schulleiter werden tagtäglich zerrieben zwischen Unterrichtstätigkeit und Leitungstätigkeit. Seit Jahren haben wir Zusatzaufgaben übernommen, deren Auflistung inzwischen Seiten füllt. Zeit fehlt uns immer, so manches bleibt auf der Strecke, sprich verliert sich auf dem Weg zwischen Klassenzimmer und Schulleitung auf Kosten von Schulqualität, von der doch so viel am grünen Tisch die Rede ist. Das wiederum geht an den Nerv jedes pflichtbewussten Schulleiters.
Denn es muss allen klar sein, dass mit einer Unterrichtsverpflichtung von immer noch durchschnittlich 18 Stunden – je nach Größe der Schule - keine Schule im Sinne von „Modus 21“ geleitet werden kann.
Es muss jedem bewusst sein, dass gute Ergebnisse nur mit guter Leitung zustande kommen.

                       Und die braucht ihre Zeit.

Es kann doch inzwischen niemand mehr glauben, dass professionelle Schulleitertätigkeit mit einigen  Anrechnungsstunden, wie sie immer noch genannt werden, aufgewogen werden  kann. Wir brauchen keine Anrechnungsstunden, wir brauchen Leitungszeit für unsere primäre Aufgabe, das Schulmanagement.

Schulleitung ist ein eigener Beruf – ein anspruchsvoller noch dazu, wenn man ihn wirklich Ernst nimmt. Dazu brauchen wir Zeit, mehr Zeit – so wie jeder andere leitende Beruf dieser Welt auch.

Denn das, meine Damen und Herren, ist das Schlimmste:
Zu spüren, dass Zeit und Kraft oft nicht mehr ausreichen für das, was doch so wichtig ist: Das Wohlergehen unserer Kinder, die Freude am Unterrichten, die Förderung eines positiven Gesamtklimas an unseren Schulen.
Um das zu ändern, werden wir weiterkämpfen.

Der BSV fordert deshalb:

  1. Schulleiter brauchen endlich die rechtliche Stellung, die ihrer Verantwortung entspricht. D.h.: Wir Schulleiter brauchen den vollen Dienstvorgesetztenstatus ohne wenn und aber und nicht länger halbe Sachen. Wir brauchen den Rechtsstatus, der uns mit den Schulleitern anderer Schularten gleichstellt.
    Die Verantwortung für die einzelne Schule muss vor Ort liegen. Fernsteuerung ist von gestern und nicht der Schlüssel zur modernen, innovativen Schule. 

  2. Wir brauchen auch gut ausgebildete Konrektoren, um im Team Schule besser gestalten zu können.

  3. Zeit ist nicht alles, aber ohne ausreichende Leitungszeit kann aus der Schulentwicklung nichts werden. Im Sinne der Arbeitszeitgerechtigkeit brauchen wir auch hier eine Gleichstellung mit den SL anderen Schularten bei der Berechnung der Arbeitszeit und bei der Zuteilung der Verwaltungsangestellten.

  4. Leistung muss sich lohnen“ ist ein alter konservativer Grundsatz, den auch wir für unsere Arbeit in Anspruch nehmen.
    Auch wenn diese Forderung sicherlich momentan als utopisch empfunden wird, möchte ich doch prinzipiell im Klartext sagen:
    Wer eine Schule mit 300 oder 400 oder mehr Schülern und 20, 30 oder 40 Lehrern führt, der ist mit A15 nicht überbesoldet, sondern vernünftig bezahlt.

 

Im Gegenzug wage ich vorherzusagen:

Wenn wir Schulleiter an Volksschulen Arbeitsbedingungen erhalten, die wir für die Gestaltung unserer Schulen brauchen, werden wir unsere Schüler dahin bringen, wo sie sein können und auch sollen, nämlich auf Spitzenplätze im internationalen Vergleich.

Der BSV wird in bewährter Weise seinen Beitrag dazu leisten.

 

Liebe Gäste, Kollegen und Freunde,

der neue Vorstand wird den Karren in diesem Sinne weiterziehen.

Aber wir packen es ganz sicher nicht alleine, neben allen anderen Verpflichtungen und Belastungen.

Wir brauchen Mitstreiter:

  • Wir brauchen Kolleginnen und Kollegen, die mit uns über die Schule von morgen nachdenken, also Kompetenz, Kompetenz und nochmals Kompetenz, wenn wir in der Schullandschaft konzeptionelle Zeichen setzen wollen. Und das ist unser Anspruch.

  • Wir brauchen Mitstreiter in der  Öffentlichkeit, in der Politik, damit wir mit unseren
    Ideen, Meinungen und Forderungen wahrgenommen werden.
    Arbeit im stillen Kämmerlein bringt uns nicht weiter.

Doch wir haben gute Karten, um das zu erreichen. Der BSV ist der einzige Verband, in dessen Mittelpunkt die Schulleiter stehen und sonst nichts. Wir müssen keine Eiertänze wegen irgendwelcher Interessenkonflikte machen. 

Jeder Beitrag, jede Unterstützung für den Verband ist wichtig. Wir werden nur bei Bündelung aller Kräfte dahin kommen, wo wir hinwollen.

Der BSV lebt und erfreut sich guter Gesundheit.

Ich danke allen, die den heutigen Freitag  für diese LDV geopfert haben. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit.

Die 10. Landesdelegiertenversammlung des BSV in Nürnberg ist hiermit beendet!

 

Brigitte Hofmann-Koch

Landesvorsitzende