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Landesdelegiertenversammlung 10-2010

Sonntag, 07 November 2010

„Schulleitung in der Schlüsselrolle für Qualität in mehr Eigenständigkeit“
Aus der Landesdelegiertenversammlung des BSV im Oktober 2010 in Neumarkt

 

„Was für die Politik und die Demokratie in Deutschland gilt, trifft auf alle Lebensbereiche zu: Wo Menschen zusammenleben und –arbeiten, sind sie auf Führung angewiesen, auch und gerade im Bereich der Bildung und der Schule…. Die große Politik weist erhebliche Schwächen im Bereich „Führung“ auf und scheut sich aus unerklärlichen Gründen, den Schulleitungen mehr Führung zuzutrauen. Wenn wir Autorität anerkennen und Respekt erweisen, erwarten wir das auch selbstverständlich von den politischen Entscheidungsträgern. Letztlich kann nur erfolgreich führend tätig sein, wer als Vorbild wirkt. Wenn die hehren Grundsätze in den Programmen der politischen Parteien nicht mit ihren Handlungen konform gehen, verspielt die Politik zunehmend Vertrauen ….Wir brauchen endlich ein sehr viel Mehr an Leitungszeit, um den stets wachsenden Aufgaben gerecht werden zu können. Wir erwarten von der Politik jede Unterstützung, die wir benötigen…. Wir übernehmen gerne die Aufgaben, aber zu Bedingungen, die passgerecht sind und uns vor frühzeitiger Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen bewahren, nur weil der Dienstherr seine Fürsorgepflicht ungenügend nachkommt.“

 

Mit diesem deutlichen Statement zur Situation und Kernforderung des BSV begrüßte Landesgeschäftsführer und Ehrenmitglied Siegfried Wohlmann die Delegierten und Gäste der LDV 2010, darunter den langjährigen ehemaligen Vorsitzenden, Anton Stierstorfer, Ehrenmitglied und Ltd. Schulamtsdirektor i. R., unter größter Zustimmung.

 

Oberbürgermeister Thomas Thumann stellte in seinem Grußwort die herausgehobene Stellung der Mitglieder der Schulleitung dar, erwies ihnen höchste Anerkennung und teilte die Auffassung der absoluten Schlüsselrolle, ohne die die Institution Schule nicht funktioniere. Deswegen müssten die Rektorinnen und Rektoren der Grund- Haupt-, Mittel- und Förderschulen alle Unterstützung bekommen, um die künftige Gesellschaft auf das Morgen exzellent vorbereiten zu können.
Der CSU-Landtagsabgeordnete des Kreises Neumarkt, Albert Füracker, ließ in einem durch Wohlmann übermittelten Grußwort die hohe Wertschätzung, die er dem BSV entgegenbringe, übermitteln und wünschte sich weiterhin die starke und kompetente Stimme der Schulleiterinnen und Schulleiter.

 

Neben den Rechenschaftsberichten der Landesvorstandschaft und der Diskussion der Leitlinien bis 2013 standen Neuwahlen im Mittelpunkt des Tages.
Für die nächsten drei Jahre bleibt Werner Sprick aus Memmingerberg an der Spitze, mit allen Stimmen gewählt, ebenso wie die weiteren Mitglieder der Vorstandschaft: Stv. Vorsitzende wurden Hanne Liebel-Binder aus Hersbruck, Petra Seibert aus Passau, Dr. Renate Menges aus Königsbrunn (neu), Schriftführerin Hannelore Mathis aus München, Schatzmeister Gerhard Schmautz aus Wörth a. d. Donau und Geschäftsführer Siegfried Wohlmann. Als Kassenprüfer werden nach einstimmiger Wahl Paul-Guide Schulte, München, und Georg Stumpfegger, Schöllkrippen, fungieren.

 

Werner Sprick sah die Zunahme des Gewichts des BSV bei allen über 100 Gesprächen mit der Staatsregierung, den Parteien, mit vielen Verbänden bis hin zur Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sehr positiv. Allerdings: Gerade die CSU handle in manchen entscheidenden Bereichen nicht nach den Worten, wie sie sich z. B. anlässlich der Parlamentarischen Abende anhörten.

 

Es müsse sich endlich die Überzeugung durchsetzen, dass die Rolle der Schulleitung sich schon lange nicht mehr erfülle in der Position der Lehrkraft mit besonderen „Anrechnungsstunden“ zur Leitung einer Schule. Schulleitung heiße schlicht, sie leitet eine Institution von besonderer Bedeutung. Deshalb sei der Unterricht auf ein Minimum zu reduzieren, die Leitungszeit deutlich zu erhöhen und die Arbeitszeit der Verwaltungsangestellten analog der großen Verantwortung ebenso nach oben anzupassen.
Drei Petitionen zur Verbesserungen der Rahmenbedingungen von Schulleitung wurden bisher dem Bayerischen Landtag vorgelegt, jedoch immer von den regierenden Parteien abgelehnt. Hoch interessant zeigt sich auch die Unterstützung im Parlament durch die SPD, die GRÜNEN und FW in verschiedenen Anträgen und Petitionen in gleicher Richtung, die dennoch ebenso abgeschmettert wurden. 

 

Dem geordneten Bericht des Schatzmeisters Gerhard  Schmautz war eine solide Finanzierung und Grundlage zu entnehmen, so dass der Revisionsbericht in seiner Zustimmungsform die Akzeptanz aller Delegierten fand ebenso wie der Bericht des Geschäftsführers Siegfried Wohlmann, der seit März 2009 die Geschäfte von Inge Pfaffinger übernahm, obgleich er sich schon 2007 vom Amt des stv. Landesvorsitzenden zurückgezogen hatte.

 

Vor der intensiven Diskussion um die Vorschläge der Leitlinien 2010 bis 2013 befasste man sich ausführlich mit den teils unbefriedigenden Ergebnissen bei der Umwidmung der Haupt- zur Mittelschule im Verbund. An vielen Mittelschulen Bayerns ist das Stundenbudget nicht ausreichend, an manchen Grundschulen gibt es zu wenig AG-Stunden. Für die viel gepriesene modulare Förderung fehlen zum wirklichen Erfolg viele Stunden. Im Übrigen vermisst man wie in der Vergangenheit die Zuweisung von genügend Mobilen Reserven, einer angemessenen Zahl an Förderlehrkräften und auch Schulpsychologen wie Sozialpädagogen. Bei den Leitanträgen einigte man sich einvernehmlich auf die im Folgenden verfassten Einzelpunkte:

 

Leitlinien des BSV                  2010 – 2013

1. Zentrale Aufgaben der Schulleitung

 

Die Schulleitung sorgt in gemeinsamer Verantwortung mit allen an ihrer Schule Beteiligten für optimale Lehr- und Lernprozesse und eine wirksame Erziehung.

 

Folgerungen:

  • Angleichung der Rechtsstellung an Schulleiter von Real- und Wirtschaftsschulen wie Gymnasien
  • Optimierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Mitsprache im Sinne Mitentscheidung bei der Ernennung der Stellvertreter

2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen

 

Innovatives und kooperatives Gestalten ist nur möglich durch Nutzung von Ressourcen, Teamunterstützung und Programmarbeit.

 

Folgerungen:

  • Die Leitungszeit entspricht der von Schulleitern anderer weiterführender Schularten
  • Trotz des neuen Dienstrechts ist kurzfristig die Angleichung der Besoldung an Schulleiter von Realschulen und Wirtschaftsschulen anzustreben
  • Die Konrektoren und Konrektorinnen erhalten ein eigenes Stundendeputat
  • Die Arbeitszeit der Verwaltungsangestellten wird deutlich erhöht, der Zuteilungsschlüssel verbessert und die Vergütung deutlich angehoben unter Berücksichtigung einer zeitgerechten Arbeitsplatzbeschreibung

3. Qualitätssteigerung und Erhöhung der Selbstständigkeit

 

Zielorientiertes Leiten im Sinne von Qualität bei Teilautonomie geschieht durch Personalführung und Personalentwicklung, durch Information und Transparenz, durch Interne Evaluation und Entwicklung einer Feedbackkultur.

 

Folgerungen:

  • Schulen erhalten mehr Eigenverantwortung (Dienstliche Beurteilung, Stunden- und Finanzbudget)
  • Schulleitungen entscheiden über die Stellenbesetzung von Bewerbern um eine Lehrer-, Fachlehrer- und Förderlehrer-Stelle
  • Bei der Besetzung der Stellvertreter-Position wird die Schulleitung mit einbezogen

Der alte und neue Vorsitzende beschloss die harmonisch-offene Versammlung mit dem Dank an alle und den Bitten an die Politik um grundsätzliche Unterstützung und an die Mitglieder um Mitarbeit, zuallererst um der Kinder willen, die als Säule der Zukunft die bestmögliche Förderung brauchen.

 

Eine besondere Würdigung, verbunden mit bestem Dank, erfuhren noch Prof. Dr. Peter Chott, Chefredakteur der Zeitschrift „Die Schulleitung“, Helmut Schuster, BV-Vorsitzender der Oberpfalz, Initiator des erfolgreichen NEWSLETTER und Siegfried Wohlmann für die perfekte Organisation der gelungenen Landesdelegiertenversammlung 2010 in Neumarkt.

 

Siegfried Wohlmann
Geschäftsführer